Ein Tag mit: Winfried Brakhan

Unterwegs auf den Straßen Costa Ricas

Winfried Brakhan (62) ist Leiter des Mittelamerika-Fonds der REWE Group in Costa Rica. Vor Ort managt er lokale Projekte, die zur Verbesserung der sozialen Bedingungen und für mehr Umweltschutz beitragen. Wir begleiten ihn auf einer seiner Reisen zu den Projekten im mittelamerikanischen Tropenland.

5.30 Uhr

Um 5.30 Uhr geht die Sonne auf über San José, der Hauptstadt von Costa Rica. Noch ist es angenehm kühl bei 16 Grad, tagsüber wird es mehr als 30 Grad heiß sein. Winfried Brakhan startet den Wagen, schon bald rollen er und seine Kollegin Liliana Ramos auf der „Ruta Nacional 32“ nach Osten, in Richtung Karibisches Meer.

Doch erst beginnt die Fahrt mit dem Anstieg ins Mittelgebirge des Nationalparks Braulio Carrillo mit seinem subtropischen Regenwald, in dem Ozelot und Faultier leben. Es hängt ein wenig Nebel in der Luft, aber bald kann Winfried Brakhan dann auf die weite, heiße Ebene schauen, die heute den gesamten Tag über sein Arbeitsplatz sein wird – eine Fläche, die ganz von Viehwirtschaft und dem Anbau tropischer Früchte, insbesondere Bananen, geprägt ist.

Der 62-jährige Agrarökonom ist der Mann vor Ort für den Mittelamerika-Fonds der REWE Group: Der Fonds fördert lokale Sozial- und Umweltprojekte in Gemeinden, die vor allem Bananen und auch Ananas mit dem PRO PLANET-Label produzieren. Brakhan verwaltet die Gelder des Fonds, seinen Lohn bezieht der Projektleiter allerdings von der deutschen „Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit“ (GIZ), die den Mittelamerikafonds und die zugehörigen Projekte im Auftrag der REWE Group betreut und verwaltet.

Die Zusammenarbeit zwischen der REWE Group und der GIZ begann schon 2007 mit dem Tropenprojekt, seit 2014 führt die REWE Group ihn unter den Namen „Mittelamerikafonds“ weiter. Die Bilanz der gebündelten Maßnahmen kann sich sehen lassen:

So entstanden Tagesbetreuungs- bzw. Kindergartenplätze für 115 Kinder, verbesserte Bildungseinrichtungen für 330 Kinder und Jugendliche sowie Sportstätten für über 10.000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Verbessert wurde auch das Angebot medizinischer Leistungen für 60.000 Menschen. Ganztägiger Zugang zu sauberem Trinkwasser wurde für mehr als 3.000 Menschen realisiert. Hinzu kommt die Aufforstung von 40 Hektar auf ehemaligen Weideflächen, um Lücken im Regenwald zu schließen.

7.00 Uhr

Kurz vor 7.00 Uhr erreicht das Team den Sportplatz von Rio Jimenez, einer kleinen, unspektakulären Ortschaft mit überwiegend Flachbauten rund 15 Kilometer von der Hauptstrecke gelegen. Hier unterstützt der Fonds die Renovierung von Umkleidekabinen und Toilettenräumen. Fußball ist der Sport in Rio Jimenenz, jedes Spiel ein soziales Ereignis.

Winfried Brakhan schaut sich die Baumaßnahmen an, während Liliana Ramaos die Ausgaben anhand des Kostenvoranschlags überprüfen. Die bauliche Abnahme ist den zuständigen Behörden überlassen, aber er entdeckt immer wieder einmal Mängel, die behoben werden müssen: „In diesem Fall ist die Tribüne unzureichend abgesichert, da könnten kleinere Kinder hinten runterfallen“, sagt er.

Rund 15 meist mehrtägige Dienstreisen führen ihn jährlich – allein, oder zu zweit, wie heute – zu den zahlreichen Projekten, die unterstützt werden. Im Moment laufen 20 Projekte, viele weitere sind in Vorbereitung: nämlich solche, die sich jährlich einmal um die neu ausgeschriebenen Gelder bewerben.

„Das ist insgesamt eine Menge Papierarbeit, die aber sehr wichtig ist, um den erst geplanten Nutzen und später die tatsächliche Effizienz genau zu dokumentieren“, konstatiert Brakhan. Bis die Unterlagen komplett sind, trifft man sich oft mehrere Male während der Dienstreisen, um die Lücken zu schließen. So sind die Fahrten durchs Land eng getaktet.

Zur Person

Winfried Brakhan (62) ist Diplomagrarökonom. Er hat in Göttingen studiert, direkt nach den Studium hat es ihn als Entwicklungshelfer ins Ausland verschlagen. Seitdem hat er an zahlreichen Projekten in Asien, Afrika und Lateinamerika mitgearbeitet. Er verwaltet den Mittelamerikafonds der REWE Group.

8.00 Uhr

Um 8.00 Uhr geht es weiter in Richtung des Ortes „Indiana 2“, wo das Mittelamerikafonds-Team eine Stunde später das Projekt einer neuen Sport- und Veranstaltungshalle der Grundschule mit Schuldirektor Henry begutachtet und Belege für die finale Abrechnung dazu einsammelt: „Die Halle und die dazugehörigen Toilettenräume sind so gebaut, dass sie vom Schulgelände durch einen Zaun abgetrennt werden können, um einen Betrieb auch für außerschulische Zwecke zu ermöglichen, beispielsweise für Veranstaltungen der Gemeinde.“

Denn alle Projekte des Fonds werden so angelegt, dass der Nutzen für die gesamte Gemeinschaft so groß wie möglich ist. Auch müssen die Gemeinden und die beteiligten Organisationen vor Ort einen möglichst großen selbst dazu Beitrag leisten: „Um die Identifizierung mit dem Projekt sicherzustellen: Gebäude oder technische Einrichtungen werden besser gepflegt, wenn die Gemeinden auch einen finanziellen Beitrag leisten müssen.“

Indiana 2 Grundschule: Schüler vor der Mehrzweckhalle bei der Einweihungsfeier

Damit die Mehrzweckhalle auch von Organisationen aus dem Ort genutzt werden kann, muss sie separate Toilettenräume haben.

Die Patienten einer Klinik und das Gesundheitssystem sparen 200.000 Euro ein

Der Tag ist noch lang, bald geht es weiter, über eine Schotterpiste zu dem kleinen Ort mit dem schönen Namen „Waldeck“. Vermutlich haben ihn deutsche Siedler hinterlassen. Eine halbe Stunde braucht das Team für gerade einmal 13 Kilometer. In der Siedlung wird ein bunter Strauß verschiedenster Projekte durchgeführt: „Weil die Zusammenarbeit mit den Organisationen – Wasserkommittee, Entwicklungsorganisation, Gesundheitskommittee und Krankenkasse – hier sehr gut funktioniert.“ So geht es heute, unter anderem, um ein Projekt zur Verbesserung der Trinkwasserversorgung. Und um die Besichtigung des fertiggestellten Schulraumes für Computer- und Englisch-Unterricht.

Nach einer Befragung im Jahr 2013 von Menschen aus den Gemeinden im Bananen-Gürtels Costa Ricas, die vom Fonds profitieren sollten, schälten sich verschiedene Bedürfnisse heraus, erzählt Winfried Brakhan: „Der Wunsch nach verbesserter Kinderbetreuung während der Arbeitszeiten, Unterstützung bei den Themen Freizeit, Sport und Bildung sowie bei Gesundheitsversorgung und der Bereitstellung von sauberem Trinkwasser.“ Natur- und Umweltschutzthemen hingegen werden bislang eher vom Fonds selbst angestoßen bzw. ergeben sich als Folgeaktivitäten des Tropenprojekts.

Winfried Brakhan

„Gebäude oder technische Einrichtungen werden besser gepflegt, wenn die Gemeinden auch selbst einen finanziellen Beitrag leisten.“

10.00 Uhr

Um 10 Uhr geht es für weitere 20 Minuten auf Schotter nach Sahara. Hier soll ein Kindergarten, für den schon ein erster großer Gruppenraum finanziert wurde, noch einen zweiten Gruppenraum bekommen, um mehr Kinder zu betreuen und um Eltern, die in die Abendschule gehen, verlässliche Betreuung für ihre Kinder zu gewährleisten. Außerdem soll es eine größere Küche geben, einige Kinder in der Umgebung sind unterernährt: „Für sie soll dann hier ordentlich gekocht werden.“

Kindergarten Sahara: Neuer Gruppenraum

Man sichtet den Erweiterungsbau, noch im Rohbau, geht durch die Papiere. Hier zeigt sich, wie gut gemeinte Maßnahmen auch Nebenwirkungen haben können: Die Kinderbetreuung wurde bislang, gegen Geld oder Ausgleichsleistungen, auch von Nachbarn und Verwandten durchgeführt: „Das fällt dann demnächst teilweise aus. Wir müssen da einen möglichst sanften Übergang schaffen, um diese Tageseltern möglichst wenig zu benachteiligen. Dafür werden wir eine Lösung finden."

11.00 Uhr

Ab 11.00 Uhr geht die Fahrt weiter Richtung Bananito. Hin und wieder reichen die Blicke auf die malerische Karibikküste. Die Tour ist fast zweieinhalb Stunden lang, rechts und links der Straße wachsen – wie der Name vermuten lässt – Bananen in großen Plantagen. In der Gesundheitsstation von Bananito präsentiert der Zahnarzt den neuen vom Fonds angeschafften Zahnarztstuhl. Der alte war kaputt, Patienten mussten lange und kostenintensive Fahren in die nächste große Stadt in Kauf nehmen: „Das sind Kosten für Gemeinden, die man recht genau beziffern kann“, erzählt Winfried Brakhan: „Wir haben in einem anderen Ort in einer Klink mit einer Investition von 20.000 Euro für neue Geräte einen jährlichen Nutzen für die Gesellschaft in Höhe von 200.000 Euro erreicht, in Form von nicht mehr nötigen Fahrten in entfernt liegende Krankenhäuser.“ Über solche Ergebnisse sei er besonders erfreut.

14.00 Uhr

Um 14 Uhr startet der Wagen Richtung La Guaria. Es geht um die Trinkwasserversorgung für die Indigenen-Siedlung Kalvery-Kuchey. Winfried Brakhan und Liliana Ramos treffen Sediel von der Entwicklungsorganisation Tayni heute in La Guaria. Da die Siedlung sehr abgelegen liegt: „Wir müssten auf dem Weg einen Fluss durchqueren, was nur mit Traktor und Anhänger bei niedrigem Wasserstand möglich ist.“ Heute ist der Wasserstand zu hoch. Kalvery-Kuchey soll einen Gemeinschaftsbrunnen bekommen. Bislang wird das Wasser aus einem kleinen Bach geschöpft: „Der kann aber hin und wieder durch Tiere mit Kolibakterien verseucht werden. Das führt zu lebensgefährlichen Durchfallerkrankungen, die wir vermeiden möchten.“

160

Im Februar 2018 konnte die REWE Group ganze 160 Hektar aufgeforstete Weidelandflächen in einem Naturschutzgebiet an das Umweltministerium von Panama übergeben. Wo Bäume wieder natürlich wachsen, kommt auch die dichte Bewaldung zurück. Nun können sich bedrohte Tierarten in dem neuen Bio-Korridor viel weiträumiger bewegen. Das erhöht und stabilisiert die Biodiversität.

600.000

Vom 3. bis 15. Februar 2020 spendete REWE – wie in den Jahren zuvor – 10 Cent pro verkaufte Ananas und verkauftes Kilo Bananen und unterstützte wieder soziale und ökologische Projekte in den Anbaugebieten. So konnten 551.986 € gesammelt werden, REWE stockte diese Spendensumme auf 600.000 € auf.

15.30 Uhr

Um 15.30 wird Bocuare nach einer Fahrt durch schattigen Bambuswald erreicht, um die fertiggestellte bauliche Erweiterung der Gesundheitsstation zu besichtigen. Es werden Originalbelege zurückgegeben, dann erfolgt die feierliche Unterzeichnung der Schlussakte.

Der Mittelsmann des Mittelamerikafonds hat schon viel von der Welt gesehen. Nach seinem Studium in Göttingen arbeitete er in Südkorea, Ägypten, Paraguay, Lettland, Nicaragua und Honduras, auch in Afghanistan. Er schätzt den Ort, an dem er jetzt tätig ist: „Costa Rica ist ein angenehmes Land, sicher, mit guter Infrastruktur."

16.30 Uhr

Ab 16:30 Uhr erfolgt die Besichtigung nach der Fertigstellung der neuen Räume des Gesundheitszentrums Valle las Rosas. Bedingung für die Finanzierung war, dass einer der zusätzlichen Räume von der Organisation für die Verteilung von Nahrungsmitteln an Familien mit untergewichtigen Kindern genutzt werden kann: „Später soll das Gesundheitszentrum umziehen und das gesamte Gebäude als Kindergarten dienen.“

Dr. Florian Schäfer, Nachhaltigkeitsmanager für Obst und Gemüse der REWE Group, ist selbst öfter vor Ort: „Unser Ziel ist es, mit dem Mittelamerikafonds die Grundlagen für Existenzsicherung und nachhaltige Entwicklung zu schaffen. Und darüber hinaus einen strukturellen Veränderungsprozess anzustoßen – hin zu einer fairen, sozialen und zukunftssichernden Bananen- und Ananasproduktion.“ Mehre Millionen Euro hat die REWE Group dem Fonds dafür bereits zur Verfügung gestellt und mehr als 540 Projekte umgesetzt.

Ergänzt werden die Maßnahmen durch strenge Anforderungen an die Produktion auf den Plantagen: So müssen alle Erzeugerbetriebe für Bananen, die in den Vertriebslinien der REWE Group in Deutschland vertrieben werden, nach Rainforest Alliance in der höchsten Stufe oder als „Bio“ zertifiziert sein. „Wir arbeiten eng mit unseren Lieferanten zusammen, kennen die Wertschöpfungskette und wissen, wo unsere Bananen herkommen. Somit ist es möglich, zielsicher wirksame Maßnahmen umzusetzen“, sagt Dr. Florian Schäfer.

17.00 Uhr

Um 17.00 Uhr geht es auf die letzte Strecke, nach Cahuita. Die Reisegruppe kommt pünktlich zum Sonnenuntergang an. Cahuita ist mit etwa 3000 Einwohnern direkt an der Karibikküste ein Magnet für Ökotouristen. Im Nationalpark tummeln sich Brüllaffen, Kapuzineraffen und Faultiere. Am nächsten Tag wird es nach Panama gehen, wo zwei Umweltprojekt auf der Tagesordnung stehen werden: „Es geht um die Aufforstung von Weideflächen, um Regenwaldflächen zu vernetzen. Und um ein besonders schönes Projekt für den Schutz von Meeresschildkröten.“