Unser Fachbeirat Nachhaltigkeit
„Ziel ist es, nachhaltigere Produkte für alle zugänglich zu machen.“
Unser Experte für Verbraucherfragen

Georg
Abel

„Ich sehe die wichtige Rolle unseres PRO PLANET-Labels darin, nicht die Nachhaltigkeits-Profis in der Nische zu bedienen, sondern den Massenmarkt zu erobern. Um nachhaltigere Produkte endlich für alle zugänglich zu machen“, sagt Georg Abel, unser Experte für Verbraucherfragen im Fachbeirat Nachhaltigkeit.

Interview
Was wollen die Verbraucher? Welche Ansprüche haben sie an ein Produkt?

Es gibt natürlich Verbraucher, für die zunächst nur der Preis entscheidend ist. Andere legen theoretisch auch noch Wertmaßstäbe an Produkte an. Und „theoretisch“ sage ich, weil das noch lange nicht heißt, dass diese Wertmaßstäbe dann immer auch umgesetzt werden. So hat das „Tierwohl“ in Umfragen eine hohe Bedeutung, wird aber beim Einkauf nicht in diesem Maß berücksichtigt. Manchem ist das Klima wichtig, man fliegt dann aber gerne öfter in den Urlaub. Und andere können nicht auf ihre Erdbeeren im März verzichten. Wir haben uns daran gewöhnt, dass es alles zu jeder Zeit gibt, mit den bekannten Auswirkungen.

Welche konkreten Ansprüche haben die Verbraucher an ein nachhaltiges Produkt?

Es gibt aus dem vergangenen Jahrzehnt einige Marktforschungs-Studien zur nachhaltigen Lebensweise, unter anderem von der „Verbraucher Initiative“, deren Geschäftsführer ich bin. Die Studien zeigen, dass nur etwa ein Drittel der Menschen eine genauere Vorstellung hat, was überhaupt mit „Nachhaltigkeit“ gemeint ist. Etwa die Hälfte denkt ganz grob an „Umwelt“ oder Klima“. Der soziale Aspekt von Nachhaltigkeit ist den meisten Befragten nicht gegenwärtig. Insgesamt kennen sich eher die Älteren beim Thema aus, jüngere Menschen haben hier noch Nachholbedarf.

Das heißt, es gibt immer noch gewaltigen Aufklärungsbedarf?

Ja, aber ich sehe das sehr positiv. Es gibt immerhin diese große, motivierbare Gruppe, die sich für das Thema erwärmen kann, die jetzt allerdings gezielt angesprochen und mit den passenden Informationen versorgt werden muss. Das bestätigen auch unsere Studien. Hier haben wir – sinngemäß – gefragt: „Was muss passieren, damit Sie mehr nachhaltigere Produkte kaufen?“ Dabei ist klar herausgekommen, dass die Menschen verständliche Informationen und zugleich eine leichte Erkennbarkeit nachhaltigerer Produkte einfordern. Es ist also eine riesige Chance, weil die Hälfte der Menschen durchaus sensibilisiert für das Thema ist. Wir müssen nur den richtigen Zugang finden. In diesem Zusammenhang sehe ich die wichtige Rolle des PRO PLANET-Labels, das ja eben nicht die „Nachhaltigkeits-Profis“ in der Nische bedienen will, sondern den Massenmarkt erobern soll, um nachhaltigere Produkte so für jeden zugänglich zu machen.

Georg Abel

„Ein vertrauenswürdiges Label wie PRO PLANET gibt schnellen Rat, der gerne angenommen wird.“

Welche Rolle haben hierbei Label wie PRO PLANET?

Labels sind für die Orientierung und als schnelle Informationsquelle sehr wichtig. Kunden finden im Supermarkt allerdings eine regelrechte Flut von Siegeln. Und es kommen ständig neue hinzu. Aus diesem Grund ist ein Label wie PRO PLANET, das alle wichtigen Dimensionen von Nachhaltigkeit abdeckt und bündelt, so wichtig. Kunden wollen es gerne nachhaltiger, haben aber in der Masse wenig Lust und Zeit, um das zu vertiefen. Ein vertrauenswürdiges Label wie PRO PLANET gibt schnellen Rat, der gerne angenommen wird.

Wie können sich Verbraucher sonst noch genauer informieren?

Wir von der „Verbraucher Initiative“ versuchen, auf unserem Portal label-online.de für Klarheit zu sorgen. Dort kann man alles Wissenswerte zu Nachhaltigkeits-Siegeln nachlesen.

Welches PRO PLANET-Produkt mögen Sie besonders?

Ich finde den PRO PLANET-Orangensaft der Eigenmarken von REWE und PENNY bemerkenswert, weil hier zum ersten Mal die genaue Herkunft des Safts von vertrauenswürdigen Plantagen zurückverfolgbar ist, auf denen ökologischer und fairer gewirtschaftet wird. Das sind Vorteile, die direkte Auswirkungen auf das Leben der Menschen in den Anbaugebieten haben. Darüber hinaus wurde die Verpackung im FSC-Mix nachhaltiger gestaltet. Das ist ein insgesamt stimmiger und richtiger Ansatz!

Alle reden immer von der Verantwortung des Verbrauchers. Was kann der Einzelhandel tun?

Der Einzelhandel kann viele wertvolle Impulse setzen, die Verbraucher auf den ersten Blick gar nicht so schnell wahrnehmen. Nachhaltigere Produkte zum Beispiel am Anfang der Regale platzieren. Der Einzelhandel muss mehr Angebote schaffen, den Mehrwert kommunizieren. Genau das macht ja PRO PLANET. Wenn die REWE Group bis 2025 das Ziel von 25 Prozent gelabelten Produkten bei den REWE- und PENNY-Eigenmarken ansteuert, ist das so ein Impuls. Und zwar kein geringer!

Kurzvita

Georg Abel ist Bundesgeschäftsführer der VERBRAUCHER INITIATIVE e.V. Er leitete unter anderem die mehrjährige bundesweite Informationskampagne zum Fairen Handel, leistete Öffentlichkeitsarbeit auf Verbands- und Parteiebene und ist seit beinahe zwei Jahrzehnten als führender Verbraucherschützer in Deutschland aktiv.

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